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500 Jahre Reformation

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Gedanken zum Reformationsjubiläum 500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag 1517

Gedanken zum Reformationsjubiläum 500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag 1517  
   

Martin Luther - der Reformator in Gottes Auftrag

Der 500. Jubiläumstag der Reformation ist ein Großereignis dieses Jahres nicht nur in Deutschland. Viele Menschen beteiligen sich an den Feierlichkeiten - viele Autoren schreiben darüber.

Für uns als Freikirche der STA ist es ein Anlass, über die Wurzeln und den Kern des Protestantismus nachzudenken und ihn in seiner heutigen Erscheinungsform auch durchaus kritisch zu betrachten.

 Wir als Freikirche verdanken dieser von Gott geführten geistlichen Bewegung um Martin Luther unseren reformatorischen Grundsatz, sola scriptura, sola gratia, solus Christus, sola fide  - soli Deo gloria. Die Rechtfertigungsgewissheit  aus Glauben durch den Glauben an Jesus gerecht und erlöst zu werden und die Priesterschaft aller bewusst  getauften Glieder, die niemanden über sich haben als Jesus Christus, das gehört zur DNA unserer Freikirche. Auch das Bekenntnis zur Freiheit eines Christenmenschen und ganz konkret zur Freiheit, die nur durch die Bindung an Christus ermöglicht wird und Bestand hat, macht uns zu Erben der Reformation. 


Von den Männern, die Gott gebrauchen wollte, um die Christenheit aus der Sklaverei von geistlicher Unterdrückung und weltlicher Machtausübung durch die römische Kirche zu befreien, stand Martin Luther in vorderster Reihe. Die Kirche hatte Gott zur Institution gemacht und unter Missbrauch seines Namens und Anmaßung seiner Rechte unfassbare Verbrechen begangen. Es wurde eine regelrechte manipulative Knechtschaft ausgeübt - die Kirche lebte von der Angst der Menschen um ihr Seelenheil. Durch den Ablasshandel wurde das Heil des Menschen zur Ware, ein moralischer Tiefpunkt ohnegleichen. 

Luther kannte die Angst vor einem strafenden Gott. Die Verzweiflung, die ihn in seiner Klosterzelle beherrscht hatte, weil er trotz aller Bußübungen und Selbstkasteiung keinen Frieden mit Gott fand, wich aus seiner Seele, als er zu jener reformatorischen Erkenntnis gelangte, die Römer 1;17 ihm öffnete:"  Der Gerechte wird aus Glauben leben". So ist er mit Gottes Hilfe durchgedrungen zum Evangelium der Freiheit, das die Angst vor einem strafenden Gott nicht mehr kennt, sondern die Heilsgewissheit vermittelt, ohne eigene Verdienste von Gott angenommen zu werden. 

Sein Leben war fortan ein Credo für die Gnade und gegen die Werksgerechtigkeit. Was er damit meinte, fasste er so zusammen. "Die Sünden büßen durch Werke taugt nichts, ..was nützen uns die schönsten Beichtvorschriften, die uns das Seelenheil erkaufen möchten, wenn Gott sie nicht annimmt.?" "Das erste und höchste aller edlen und guten Werke ist der Glaube an Christus. Das zweite Werk aber nach dem Glauben ist, dass wir Gottes Namen ehren und seine Gebote halten". Die Taten der Liebe und des Gehorsams sind deshalb Reaktionen der Dankbarkeit auf die unverdiente Gnade Gottes und die sichtbaren Merkmale eines geretteten Lebens. 

Von dieser zentralen Stellung aus ergaben sich für Martin Luther die anderen entscheidenden Forderungen der Reformation. 

Er hat viele Menschen mitgenommen auf seinem Weg zur Freiheit der Kinder Gottes, indem er ihnen durch die Übersetzung der Bibel und die sofortige Einführung der Muttersprache in den Gottesdienst das Wort des Evangeliums verständlich machte. Das war ein Befreiungsschlag gegen den Machtmissbrauch der Kirche, deren Absicht es war, die Gläubigen weiterhin in Unwissenheit und Angst zu halten, um die Verfügungsmacht über ihren Glauben und das Gewissen nicht zu verlieren. 

Martin Luther versuchte auf vielfältige Weise den Menschen das Wort Gottes nahezubringen. Da er ein sehr guter Sänger war und als musikalisch begabter Mann ein Instrument beherrschte, hat er die Musik genutzt, um auch dadurch die Botschaft des Erlösers zu verbreiten. 

Wir verdanken Martin Luther herrliche Kirchen- und auch Weihnachtslieder, selbst gedichtet und vertont, von denen manche wie volksliedhafte Gebete der Nachwelt erhalten blieben. Das berühmteste unter ihnen "Ein feste Burg ist unser Gott" ist  Ausdruck seiner Unerschütterlichkeit und seines Mutes und schlicht die Hymne der Reformation. 

Manche Lieder von Martin Luther haben viele Strophen wie der Choral "Nun freut euch, liebe Christen gmein" aus dem Jahr 1523. Darin wird, wie in einer kleinen Predigt, die Heilsgeschichte erzählt. Durch die Auswahl populärer Melodien wurden sie zu Trägern der missionarischen Aufgabe, die sich Luther gestellt hatte. So konnte das einfache Volk, dem die Bibel selbst nicht zugänglich war, durch das Singen dieser Lieder die geistlichen Inhalte des Evangeliums und der Reformation begreifen und im Gedächtnis aufbewahren.

In den großen Kämpfen seines Glaubens, wie auf dem Reichstag in Worms, ist es Luther immer darum gegangen, die Ehre Gottes und die Bindung an sein Wort zu verteidigen. Er wollte die Kirche reformieren und sie in Lehre und Tat zurückführen zur Übereinstimmung mit der Heiligen Schrift. 

Nicht alles ist ihm gelungen und möglich gewesen in der Zeit seines Lebens, das so groß war in Arbeit und Kampf. Davon zeugen auch seine Differenzen mit anderen Reformatoren wie Karlstadt und Zwingli. Er wusste das selbst und die Bitte an seinen Weggefährten Melanchton "reformiere du weiter" beruht auf dieser Erkenntnis. 

Trotzdem hat Martin Luther seine Strahlkraft als aufrichtiger Gottesmann durch die Jahrhunderte der Welt- und Kirchengeschichte nicht eingebüßt. Man kann sicher sein, dass er seine Kirche und die Christenheit heute mit reformatorischer Leidenschaft zurechtweisen  und ihren verderblichen Wankelmut, die selbsternannte Wahrheit und selbstdefinierte Moral, vor allem aber für die Aufgabe protestantischer Grundsätze tadeln würde. 

Niemand kann aufrichtig das 500. Jubiläum des Thesenanschlags feiern oder sich Protestant nennen, wenn er nicht der wichtigsten Aussage der "Protestation von Speyer" zustimmt, "dass in Sachen Gottes Ehre und der Seelen Seligkeit ein jeglicher für sich selbst vor Gott stehe und Rechenschaft geben muss, und sich mit keinerlei Machenschaften oder Mehrheitsbescheiden entschuldigen kann". 

In diesem Sinne ist das Reformationsjubiläum nicht nur ein Gedenktag, sondern eine Zäsur. Es geht um Erhalt oder Preisgabe des reformatorischen Erbes. Mögen alle Verantwortlichen sich dessen bewusst sein und ihre Verantwortung vor Gott erkennen.


Autorin : Dagmar Quaas
Bild: (Copyright) Rosi Eißner 2016





Philipp Melanchthon — Reformator und "praeceptor Germaniae" Lehrer Deutschlands

Philipp Melanchthon  —   Reformator und "praeceptor Germaniae


Lehrer Deutschlands

Zu den besonders herausragenden Persönlichkeiten der Reformationsgeschichte gehört Philipp Melanchthon. Manche bezeichnen ihn als eigentlichen Kommunikator der Reformation. Jedenfalls war er der wichtigste Weggefährte von Martin Luther. 

Als Melanchthon als junger Professor für Griechische Sprache an die Universität von Wittenberg kam, war er sogleich mitten in den reformatorischen Umwälzungen angelangt. Mit nur 21 Jahren war er gegenüber dem 14 Jahre älteren Martin Luther in Bezug auf Lebenserfahrung und Durchsetzungskraft noch nicht ebenbürtig, aber seine feinsinnige gläubige Natur, sein brillanter  Intellekt und das Vermögen tief und konsequent zu denken machten auf Luther einen sehr positiven Eindruck. 

So entstand zwischen beiden eine Freundschaft, die wohl Gott gestiftet hat. Sie hat ein Leben lang gehalten. Luthers Kampfgeist und die Friedfertigkeit und Redlichkeit Melanchthons in Glaubensfragen bestimmten ihren gegenseitigen Wert für den Erfolg der Reformation. Auf Grund seiner großen sprachlichen Begabung und wissenschaftlichen Differenzierungsfähigkeit war Melanchthon für Luther eine große Hilfe bei der Bibelübersetzung, insbesondere des Alten Testaments.

 Überragende Bedeutung hat sein theologisches Hauptwerk von 1521 erlangt, die sogenannte "loci communes", die erste evangelische Dogmatik. Es handelt sich dabei um die erste wissenschaftlich-theologische Rechtfertigung der Reformation. Vorher war er für Luther gegen Dr. Eck, den Papstgesandten, eingetreten. Er verfasste für seinen Freund eine Schutzschrift, als der unter dem Bann war. Melanchthon konnte sich in Deutschland frei bewegen, während Luther Sachsen, das ihm Schutz bot, nicht verlassen konnte.

Als der Kaiser einen Reichstag nach Augsburg einberief, um gegen die weit fortgeschrittene Kirchenspaltung in Deutschland vorzugehen, wurde Melanchthon beauftragt, die protestantischen Glaubensgrundsätze zu verfassen. Dieses "Augsburger Bekenntnis" wurde auf Drängen des Sächsischen Kurfürsten am 25.06.1530 vor Kaiser Karl und dem gesamten Reichstag lateinisch und deutsch verlesen. Es kam dort zu keinem Ausgleich zwischen dem katholischen und dem protestantischen Lager, obwohl Melanchthon in den Auseinandersetzungen gemäßigt und kompromissbereit auftrat und um Ausgleich bemüht war. Martin Luther, der auf der Veste Coburg bleiben musste, um Sachsen nicht zu verlassen, wurde zeitnah unterrichtet und äußerte sein Unverständnis und Missfallen an Melanchthons nachgiebigen Verhandlungsstil. Dennoch war es ihm zu verdanken, dass mit den 28 Artikeln des Augsburger Bekenntnisses die protestantische Seite sich auf eine Glaubensgrundlage geeinigt hatte, die es ihr ermöglichte, eine entschiedene Einheit gegen Kaiser und Papst herzustellen. Insofern ist Melanchthon hier zu einer Schlüsselfigur der Reformation geworden.

Melanchthon war nicht nur ein Verfasser hervorragender akademischer Reden und Universitätsreformer, sein Wirken hatte auch eine praktische Seite. Bedingt durch große pädagogische Begabung und Weitsicht diente er der Reformation und seinem Land auch als Gründer des evangelischen Schulwesens. Schulen wurden deshalb eingerichtet, um die strategische Bildungs- und Erziehungsarbeit an den Kindern zu leisten. Diese wurden nicht nur in geistlicher Hinsicht ausgebildet, sondern auch in wichtigen Fächern wie Deutsch, Mathematik, Latein aber auch Kunst, insbesondere Musik. Das war ein Gewinn für die Gesellschaft. Auch für die protestantische Kirche war es wichtig, die Kinder mit der Beherrschung ihrer Muttersprache als freie, gebildete Menschen lebenstüchtig und urteilsfähig zu machen. Die Erarbeitung der sächsischen Kirchen- und Schulordnung durch Philipp Melanchthon diente der verwaltungsseitigen Umsetzung der Schulreform, die er bewirkt hatte. 

Als Theologe hat Melanchthon eigenständiges Denken nie aufgegeben. Er war auch mit Martin Luther keineswegs immer einer Auffassung. Es ist nicht zu leugnen, dass es mitunter schwerwiegende Lehrdifferenzen zwischen beiden gab. Aber ihr gemeinsamer Glaube, ihre Freundschaft und das Wissen um ihre Berufung hat sie zusammengehalten. Luther verteidigte kein Lehrsystem sondern das Evangelium von Jesus Christus. Melanchthon hatte bezüglich Abendmahl, Rechtfertigungslehre und der Frage des freien Willens einen anderen Standpunkt als Luther. Grundsätzlich hielt er Luthers Kampf gegen die katholische Verdienstlehre für notwendig, aber dies erschien ihm zu einseitig. Er hat es immer für wichtig gehalten, auf das Willensvermögen des Menschen hinzuweisen. Grundlage protestantischer Ethik war für ihn "das im Glauben gebundene Gewissen, das vor Gott verantwortliches Handeln ermöglicht." "Der Mensch besitzt Entscheidungsfreiheit das Gute zu tun und seine Handlungen zu steuern". Die Ursache der Sünde sah er in missbrauchter Freiheit. Dieser Aspekt seines Denkens ist für uns als Freikirche nachvollziehbar, wie auch die folgenden. Gebete zu den Heiligen oder gar zu ihren Bildwerken lehnte er strikt ab. Für ihn waren das "tote Menschen", sie anzubeten Abgötterei. Die berichteten Wunder nannte er "Teufelswerk", was dafür spricht, dass er die Lehre von der unsterblichen Seele nicht unterstützt hat, sondern hierbei einen dämonischen Hintergrund vermutete. Grundsätzlich lehnte er alles ab, was Geschöpfen Allmacht zugeschrieben hat. Der einzige Mittler war für ihn Christus. In Wallfahrten und Reliquienkult sah er blankes Heidentum, die erzwungene Ehelosigkeit bewertete er als Versündigung gegen Gottes Gesetz. Er vertrat die Auffassung, dass die Obrigkeit die Pflicht habe, gegen jede Form von Götzendienst vorzugehen. Überhaupt sollten weltliche und geistliche Macht sauber getrennt werden.

Kritisch zu betrachten ist jedoch Melanchthons problematische Haltung zur Täuferbewegung, die er mit Luther teilte, weil er den Sinn der Glaubenstaufe nicht verstanden hatte, sondern sie für Ketzerei hielt. Insofern fällt ein Schatten auf die so verdienstvollen Persönlichkeiten der Reformation wie Luther und Melanchthon. Es war wohl nicht nur die Härte der Zeit, die sich in den heftiger werdenden Auseinandersetzungen der Theologen zeigt. Es war wohl die Absicht, die wesentlichen Ideale der Reformation zu retten, was nach Melanchthons  Ansicht nur durch die Schutzmacht der Obrigkeit für eine Volkskirche gewährleistet schien, zumal sich bereits noch zu Lebzeiten Melanchtons die Gegenreformation zu formieren begann.



Autorin: Dagmar Quaas

 




Georg Spalatin - Diplomat und Fürsprecher hinter den Kulissen

Georg Spalatin  -  Diplomat und Fürsprecher hinter den Kulissen


In der Geschichte der Reformation hat sich Georg Spalatin als herausragende Persönlichkeit erwiesen. Seine Bedeutung für das Gelingen der Reformation ist unschätzbar. In dieser Sache sah er sein Lebenswerk.

Der aus dem Fränkischen stammende Gelehrte verfügte über eine enorme humanistische Bildung und wurde schon in jungen Jahren nach Wittenberg gerufen und als einer der ersten Magister 1503 an der Artistenfakultät promoviert. Seine vielseitige Begabung und seine menschliche Seriosität machten ihn bald für die Dienste an der Universität unentbehrlich.

Die Universität Wittenberg entfaltete sich in dieser Zeit zu einer überragenden Größe; von allen deutschen Hochschulen war die Zahl der Immatrikulationen hier am höchsten.

In kurzer Zeit gewann Spalatin die Gunst und das Vertrauen des Kurfürsten Friedrich des Weisen, wurde sein Geheimsekretär und Erzieher des Kurprinzen Johann Friedrich. Für die Universität war er schließlich "Berater in allen literarischen und gelehrten Dingen", Archivar und Bibliothekar. Er versorgte die Universität mit Büchern und Zeitschriften. Sein Einfluss auf die Amtsgeschäfte der kurfürstlichen Kanzlei war enorm. Auf seinen Rat wurde großer Wert gelegt.

Spalatin war mit Martin Luther eng befreundet und diese Freundschaft war von einem tiefen Vertrauen getragen, was ein langjähriger intensiver Briefwechsel belegt.

Dieser Bund und die Sympathien, die Spalatin gegenüber den übrigen Wittenberger Reformatoren wie Amsdorf, Bugenhagen und Jonas hegte, beruhte auf der gemeinsamen Auffassung, dass die Heilige Schrift als Quelle des Glaubens und der Lehre gelten muss. 

Ein besonderes Vertrauensverhältnis bildete sich auch zwischen dem Kurfürsten und Spalatin. Er war der Seelsorger Friedrich des Weisen und begleitete ihn zu den Reichstagen 1518 nach Augsburg, 1521 nach Worms und 1523 und 1524 nach Nürnberg, zur Kaiserwahl nach Frankfurt und zur Krönung Karls des V. nach Köln.

Spalatin nutzte schon frühzeitig seine Vertrauensstellung, um beim Kurfürsten für Luther und seine Absichten Partei zu ergreifen. Seine besonnene und realistische Einschätzung der historischen Situation und sein diplomatisches Geschick haben den Kurfürsten zunächst zaghaft, dann aber immer entschlossener zu Luther stehen lassen. Friedrich der Weise war noch immer überzeugter Anhänger der katholischen Sache, verfügte über eine große Reliquiensammlung, aber war durch Spalatins Fürsprache dennoch bereit, den Reformator unter seinen Schutz zu stellen. Er wollte vor allem für Luther ein faires Verfahren. Über Spalatin ließ er ihn 1518 wissen, dass die Zusicherung seines Beistandes verbindlich sei.

Als Luther 1521 nach Worms zum Reichstag kommen musste, wurde ihm durch Spalatin einen Geleitbrief des Kurfürsten ausgefertigt. So hatte er einen Schutzstatus.
Spalatin war zwar als Diplomat hinter den Kulissen aktiv, aber dennoch in Luthers Kampf involviert. Er war mit vor Ort in Worms und suchte mit seinem Kurfürsten bei den anderen Fürsten und Ständen Gleichgesinnte, um eine Einflussnahme zugunsten des Reformators zu bewirken. 

Spalatin war sowohl zu seinem Landesherrn als auch gegenüber Luther überaus loyal. Sein sicherer Umgang mit den Herausforderungen der kritischen Lage, die sich aus der heimlichen Konfrontation zwischen Kirche und weltlicher Obrigkeit entwickelt hatte, schützte seinen Freund Martin Luther und ebenfalls den Kurfürsten.

Aus etlichen Briefen von Martin Luther wusste er um die letzte Entschiedenheit seines Kampfes, seine Verachtung gegenüber der Kirche und dem Papst, den er offen den prophezeiten Antichristen nannte. Besonders entsetzt war Luther über die bewiesene Fälschung der konstantinischen Schenkungsurkunde. "Unverschämte Lügen sind zu Glaubensartikeln geworden". Martin Luther hat gegenüber Spalatin seinem Herzen Luft gemacht und fand in ihm ein menschliches "Gegenüber", das ihn verstand und in Schutz nahm.

So geht auch die Entführung Luthers auf die Wartburg auf Spalatins Initiative zurück. Der Kurfürst ließ Luther diesen Plan vorher wissen. Obwohl er den Reformator niemals persönlich gesprochen hatte, ließ er sich auf den Kampf des Reformators ein und wurde sein erster Beschützer.

Nach dem Tod Friedrichs des Weisen, der in den Wirren des Bauernkrieges starb, diente Spalatin auch seinem Nachfolger. Er begleitete ihn zu Reichstagen und nahm an Visitationen teil. Unter dem neuen Kurfürsten wurde Georg Spalatin zum Pfarrer und Superintendenten in Altenburg bestimmt. Dort heiratete er und wirkte segensreich für die Stadt und das Land im Sinne der Reformation.
Seine Kontakte nach Wittenberg hat er nie aufgegeben. Er blieb seinen Freunden aus dem Kreis der Reformatoren immer verbunden und hat viel für Gott getan. Manche meinen, er sei die lebendige Brücke gewesen zwischen dem bedächtigen Kurfürsten und dem vorwärts stürmenden Reformator Martin Luther.

Es ist nicht schwer, daraus eine Fügung Gottes zu erkennen, der in diesem Kampf um die reformatorische Zielsetzung, die Menschen wieder in ihrem Glauben an Jesus Christus zu stärken und der Wahrheit die Ehre zu geben, den Tapferen und Willigen immer zu Hilfe kam.


Autorin :  Dagmar Quaas
Bild: (Copyright) Rosi Eißner 2014









Freunde und Mitstreiter Martin Luthers

Freunde und Mitstreiter Martin Luthers


 
Von den geistlichen und intellektuellen Unterstützern Martin Luthers sind zwei Persönlichkeiten aus seinem Umfeld besonders hervorzuheben und sollen stellvertretend für weitere Reformationsanhänger näher betrachtet werden. Sie gehörten zum engsten Kreis seiner Mitstreiter und waren rastlos tätig für die erfolgreiche Ausbreitung der reformatorischen Bewegung. Mit unterschiedlichen Gaben und Qualifikationen ausgestattet, dienten sie Gott durch Hingabe an sein Wort und Werk. Es handelt sich um Johannes Bugenhagen  und Justus Jonas.
 
Johannes Bugenhagen
...sagte über sich "von Kindes Jugend an die Heilige Schrift lieb gehabt zu haben". Folgerichtig für ihn lehrte er als Theologe biblische Schriften und Theologie an der Treptower Stadtschule und im Kloster Belbuk. Dort fand sein außergewöhnliches Lehrtalent hohe Anerkennung.


Zum ersten Mal mit einer Schrift Luthers konfrontiert, meinte er allerdings "dass seit Christi Tod kein schädlicherer Ketzer erstanden sei, als der dies Buch gemacht hat". Nach näherer Befassung musste er allerdings bekennen " dieser Mann allein sieht die Wahrheit". Schließlich wurde er in Wittenberg zum akademischen Lehrer berufen. Hier hat er sich vermählt und wurde als Pfarrer an die Stadtkirche und später zum Generalsuperintendenten des Kurkreises berufen. Das hat der Reformation einen bedeutenden Gewinn gebracht. Eine intensive und redliche Freundschaftsbeziehung zu Luther hat sein Wirken geprägt. Er hat seine Ehe eingesegnet, ihm auch in seelsorgerlicher Weise treu zur Seite gestanden und ihn in etlichen Anfechtungen aufgerichtet.


Da es Hilfsersuchen anderer Städte und Länder gab, die Einführung der Reformation zu unterstützen, wurde Bugenhagen von Wittenberg aus entsandt, um verwaltungsseitig Kirchenordnungen zu entwerfen und speziell in Norddeutschland als Organisator des Kirchen- und Schulwesens den reformatorischen Neuanfang für Kultus, Agende und Gottesdienst zu gewährleisten. Ihm kam es dabei besonders darauf an, die Gestaltung des Gottesdienstes konsequent in Form und Inhalt am Evangelium auszurichten. Ferner erstrebte er die Herausbildung eines lebendigen Pfarrerstandes, die Sicherung der Jugenderziehung in den unterschiedlichen Lehreinrichtungen sowie die "Pflege des Armenwesens im Geiste des Evangeliums"- ein Vorläufer des Diakonischen Werkes.
Immer wieder hat er glänzende Berufungen abgelehnt, weil er mit Martin Luther zusammen im Zentrum der Reformation weiter wirken wollte.
Tief erschüttert vom Tod Martin Luthers hielt er ihm eine tränenreiche Abschiedspredigt. Es war ihm eine innere Verpflichtung, sich um Luthers Witwe und seine Kinder zu kümmern.


Die letzten Lebensjahre waren geprägt von äußerer und innerer Not. Zuletzt, als er nicht mehr predigen konnte, blieb er in stiller Fürbitte bei seiner Gemeinde durch tägliches Gebet. Im Leben und Sterben hat er seinen Wahlspruch hochgehalten: "Wenn du Jesus gut kennst, genügt das, auch wenn du anderes nicht kennst. Wenn du Jesus nicht kennst, ist es nichts, was du auch anderes lernen magst."
 
Justus Jonas
...war anders als Bugenhagen zunächst zum Juristen ausgebildet worden. Er hatte seinen Wirkungskreis in Erfurt und gehörte zum dortigen Humanistenkreis. Neben seiner Gelehrsamkeit war er ein talentierter Organisator, was sich in seinem Rektorat an der Universität in Erfurt zeigte.


Gemäß dem Rat von Erasmus von Rotterdam, der zum Erfurter Humanistenzirkel Kontakt pflegte, hat Justus Jonas schließlich noch Theologie studiert. Durch diverse Vorlesungen zum Korintherbrief ist Luther auf ihn aufmerksam geworden. In der Folge gab es eine Zunahme von beiderseitiger Wertschätzung.
Begeistert und ergriffen von Luthers Sache nahm Jonas am so entscheidungsträchtigen Reichstag in Worm teil, indem er Luther sogar entgegeneilte, um in dieser Schicksalsstunde in seiner Nähe zu sein. Dieser Umstand besiegelte eine lebenslange Freundschaft.
Im Jahr 1521 übernahm Jonas das Amt des Stiftsprobstes in Wittenberg. Dabei war er in Luthers Abwesenheit auf der Wartburg darauf bedacht, die radikalen Tendenzen des Reformationsverlaufes deutlich zu dämpfen und auch notwendige Veränderungen zu verzögern. So kritisierte ihn Luther  für seine Zaghaftigkeit bei der Umwandlung der Meßfeier, stand aber dennoch zu ihm, was ihre persönliche Beziehung weiter festigte.


Bei den erforderlichen Arbeiten für die erfolgreiche Umsetzung der Reformation wurde Jonas neben Melanchthon  der wichtigste Mitarbeiter bei der Bibelübersetzung. Unzählige Schriften Luthers hat er ins Deutsche übertragen, allen voran die Bekenntnisschriften.
Wertvolle Dienste leistete er bei der Erstellung von Kirchenordnungen. So war er entscheidend befasst mit der Verfassung der Kirchenordnungen für Sachsen 1530 und Anhalt  1539. Die Befähigung dafür erlangte er unter anderem durch seine Teilnahme an Visitationen (Kirchenkontrollen),  eine Tätigkeit, die dem Juristen sehr entgegenkam. Seine ordnenden Fähigkeiten verbanden sich mit der Hingabe und Begabung des Geistlichen. Jonas predigte eindringlich und präzise und gewann die Menschen durch seine warmherzige Ausstrahlung. Es gelang ihm jedoch erst 1541 nach mühevoller und  rastloser Arbeit Halle für die Reformation zu gewinnen.  Am Sitz des berüchtigten Erzbischofs Albrecht, dem erbittertsten Gegner von Martin Luther war dieser Sieg hart erkämpft worden.
Die Wirren und Belastungen des Schmalkaldischen Krieges haben später Justus Jonas vieles an Flucht und Verzicht abverlangt. Erst 1553 konnte er wieder stetig und erfolgreich arbeiten, da er nach den Zwischenstationen von Coburg, Regensburg und Jena, nunmehr als Superintendent im Coburger Raum tätig war.
Einen unvergesslichen, wenn auch sehr traurigen Höhepunkt erlebte Justus Jonas als Sterbebegleiter Martin Luthers in Eisleben. Den Bericht über Luthers Tod verdanken wir ihm. Er war ihm  mit  den Jahren ein ganz enger Vertrauter geworden.
 
"Am letzten Tage, dem 18. Februar 1546 morgens um drei Uhr bin ich beim seligen Beschluss seines Endes und seiner letzten Stunde gewesen und hab sein des lieben Vaters seliges Bekenntnis gehört."...." Das Heimweh nach seinem liebsten Vater hat ihn nie verlassen".
Jonas selbst hat seinen Freund um neun Jahre überlebt, allerdings in entbehrungsreicher Zeit.
 
 
 
 
Autorin:   Dagmar Quaas 
Bild: (Copyright) Rosi Eißner 2015


























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