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Philipp Melanchthon — Reformator und "praeceptor Germaniae" Lehrer Deutschlands

Philipp Melanchthon  —   Reformator und "praeceptor Germaniae


Lehrer Deutschlands

Zu den besonders herausragenden Persönlichkeiten der Reformationsgeschichte gehört Philipp Melanchthon. Manche bezeichnen ihn als eigentlichen Kommunikator der Reformation. Jedenfalls war er der wichtigste Weggefährte von Martin Luther. 

Als Melanchthon als junger Professor für Griechische Sprache an die Universität von Wittenberg kam, war er sogleich mitten in den reformatorischen Umwälzungen angelangt. Mit nur 21 Jahren war er gegenüber dem 14 Jahre älteren Martin Luther in Bezug auf Lebenserfahrung und Durchsetzungskraft noch nicht ebenbürtig, aber seine feinsinnige gläubige Natur, sein brillanter  Intellekt und das Vermögen tief und konsequent zu denken machten auf Luther einen sehr positiven Eindruck. 

So entstand zwischen beiden eine Freundschaft, die wohl Gott gestiftet hat. Sie hat ein Leben lang gehalten. Luthers Kampfgeist und die Friedfertigkeit und Redlichkeit Melanchthons in Glaubensfragen bestimmten ihren gegenseitigen Wert für den Erfolg der Reformation. Auf Grund seiner großen sprachlichen Begabung und wissenschaftlichen Differenzierungsfähigkeit war Melanchthon für Luther eine große Hilfe bei der Bibelübersetzung, insbesondere des Alten Testaments.

 Überragende Bedeutung hat sein theologisches Hauptwerk von 1521 erlangt, die sogenannte "loci communes", die erste evangelische Dogmatik. Es handelt sich dabei um die erste wissenschaftlich-theologische Rechtfertigung der Reformation. Vorher war er für Luther gegen Dr. Eck, den Papstgesandten, eingetreten. Er verfasste für seinen Freund eine Schutzschrift, als der unter dem Bann war. Melanchthon konnte sich in Deutschland frei bewegen, während Luther Sachsen, das ihm Schutz bot, nicht verlassen konnte.

Als der Kaiser einen Reichstag nach Augsburg einberief, um gegen die weit fortgeschrittene Kirchenspaltung in Deutschland vorzugehen, wurde Melanchthon beauftragt, die protestantischen Glaubensgrundsätze zu verfassen. Dieses "Augsburger Bekenntnis" wurde auf Drängen des Sächsischen Kurfürsten am 25.06.1530 vor Kaiser Karl und dem gesamten Reichstag lateinisch und deutsch verlesen. Es kam dort zu keinem Ausgleich zwischen dem katholischen und dem protestantischen Lager, obwohl Melanchthon in den Auseinandersetzungen gemäßigt und kompromissbereit auftrat und um Ausgleich bemüht war. Martin Luther, der auf der Veste Coburg bleiben musste, um Sachsen nicht zu verlassen, wurde zeitnah unterrichtet und äußerte sein Unverständnis und Missfallen an Melanchthons nachgiebigen Verhandlungsstil. Dennoch war es ihm zu verdanken, dass mit den 28 Artikeln des Augsburger Bekenntnisses die protestantische Seite sich auf eine Glaubensgrundlage geeinigt hatte, die es ihr ermöglichte, eine entschiedene Einheit gegen Kaiser und Papst herzustellen. Insofern ist Melanchthon hier zu einer Schlüsselfigur der Reformation geworden.

Melanchthon war nicht nur ein Verfasser hervorragender akademischer Reden und Universitätsreformer, sein Wirken hatte auch eine praktische Seite. Bedingt durch große pädagogische Begabung und Weitsicht diente er der Reformation und seinem Land auch als Gründer des evangelischen Schulwesens. Schulen wurden deshalb eingerichtet, um die strategische Bildungs- und Erziehungsarbeit an den Kindern zu leisten. Diese wurden nicht nur in geistlicher Hinsicht ausgebildet, sondern auch in wichtigen Fächern wie Deutsch, Mathematik, Latein aber auch Kunst, insbesondere Musik. Das war ein Gewinn für die Gesellschaft. Auch für die protestantische Kirche war es wichtig, die Kinder mit der Beherrschung ihrer Muttersprache als freie, gebildete Menschen lebenstüchtig und urteilsfähig zu machen. Die Erarbeitung der sächsischen Kirchen- und Schulordnung durch Philipp Melanchthon diente der verwaltungsseitigen Umsetzung der Schulreform, die er bewirkt hatte. 

Als Theologe hat Melanchthon eigenständiges Denken nie aufgegeben. Er war auch mit Martin Luther keineswegs immer einer Auffassung. Es ist nicht zu leugnen, dass es mitunter schwerwiegende Lehrdifferenzen zwischen beiden gab. Aber ihr gemeinsamer Glaube, ihre Freundschaft und das Wissen um ihre Berufung hat sie zusammengehalten. Luther verteidigte kein Lehrsystem sondern das Evangelium von Jesus Christus. Melanchthon hatte bezüglich Abendmahl, Rechtfertigungslehre und der Frage des freien Willens einen anderen Standpunkt als Luther. Grundsätzlich hielt er Luthers Kampf gegen die katholische Verdienstlehre für notwendig, aber dies erschien ihm zu einseitig. Er hat es immer für wichtig gehalten, auf das Willensvermögen des Menschen hinzuweisen. Grundlage protestantischer Ethik war für ihn "das im Glauben gebundene Gewissen, das vor Gott verantwortliches Handeln ermöglicht." "Der Mensch besitzt Entscheidungsfreiheit das Gute zu tun und seine Handlungen zu steuern". Die Ursache der Sünde sah er in missbrauchter Freiheit. Dieser Aspekt seines Denkens ist für uns als Freikirche nachvollziehbar, wie auch die folgenden. Gebete zu den Heiligen oder gar zu ihren Bildwerken lehnte er strikt ab. Für ihn waren das "tote Menschen", sie anzubeten Abgötterei. Die berichteten Wunder nannte er "Teufelswerk", was dafür spricht, dass er die Lehre von der unsterblichen Seele nicht unterstützt hat, sondern hierbei einen dämonischen Hintergrund vermutete. Grundsätzlich lehnte er alles ab, was Geschöpfen Allmacht zugeschrieben hat. Der einzige Mittler war für ihn Christus. In Wallfahrten und Reliquienkult sah er blankes Heidentum, die erzwungene Ehelosigkeit bewertete er als Versündigung gegen Gottes Gesetz. Er vertrat die Auffassung, dass die Obrigkeit die Pflicht habe, gegen jede Form von Götzendienst vorzugehen. Überhaupt sollten weltliche und geistliche Macht sauber getrennt werden.

Kritisch zu betrachten ist jedoch Melanchthons problematische Haltung zur Täuferbewegung, die er mit Luther teilte, weil er den Sinn der Glaubenstaufe nicht verstanden hatte, sondern sie für Ketzerei hielt. Insofern fällt ein Schatten auf die so verdienstvollen Persönlichkeiten der Reformation wie Luther und Melanchthon. Es war wohl nicht nur die Härte der Zeit, die sich in den heftiger werdenden Auseinandersetzungen der Theologen zeigt. Es war wohl die Absicht, die wesentlichen Ideale der Reformation zu retten, was nach Melanchthons  Ansicht nur durch die Schutzmacht der Obrigkeit für eine Volkskirche gewährleistet schien, zumal sich bereits noch zu Lebzeiten Melanchtons die Gegenreformation zu formieren begann.



Autorin: Dagmar Quaas

 




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